Alltag in der Praxis

Warum bin ich Kinderarzt geworden?

Ich wollte kranke Kinder gesundmachen! Der Alltag in der Praxis sieht natürlich ganz anders aus. Ich sehe jeden Tag hauptsächlich gesunde Kinder und das ist wunderschön! Über die Jahre, gerade bei uns im ländlichen Setting, sind viele, viele großartige Zwerge geboren worden und haben den Weg in meine Praxis gefunden. So viele Kinder (im Quartal bei mir auch gerne mal 2000) aufwachsen zu sehen, wie sie sich entwickeln, das ist super befriedigend. „Hey Doktor Haupt, ich hab‘n Wackelzahn!“ Augenrollen der Mutter: „Wir müssen zu Hause immer Doktor Haupt spielen!“ Selbst gemalte Bilder und kiloweise Schokolade als Dank für viele zusammen durchgestandene – manchmal schwerer wiegende – Ereignisse haben sich in meinem Kopf und meiner Plauze verewigt.

Ernsthaft krank sind zum Glück die wenigsten, aber für diese Ausnahmen muss man im Alltag immer wachsam sein. An katastrophalen Montagen in den Hardcoreinfektzeiten, sehe ich bis zu zweihundert Kinder am Tag. Davon haben 197 in der Regel Standardinfekte, die das Pädiaterhirn nicht über den Ruhemodus hinaus fordern. Aber für die übrigen drei, für die ich meine geistigen Prozessoren auslasten muss: Dafür habe ich Medizin studiert. In Dr.House-Manier tüftelnd, konzentriert Anamnese, Symptome, Untersuchungsdiagnostika zusammenzuführen und zum richtigen Ergebnis zu kommen, das ist verdammt cool.

Und warum Praxis und nicht Klinik?

Ich liebe die Selbständigkeit und kann dies nur allen Kollegen empfehlen. Klar arbeitet man viel (aber auch das kann man steuern) – selbst und ständig. Aber was ist die Alternative? Klinik? Vor meinem Ausscheiden aus der Kinderklinik habe ich zuletzt zehn Nächte im Monat und zwei Wochenenden gearbeitet. Jetzt schlafe ich im Prinzip jede Nacht im eigenen Bett und habe fast alle Wochenenden frei. Ich denke, nur Leute, die im Schichtdienst arbeiten, können diesen Luxus derart wertschätzen.

BIld Skelett an Wand

Und Osteopathie im Alltag der Praxis?

In der „Über mich“ Rubrik habe ich schon ein bisschen was dazu geschrieben. Es ist auf jeden Fall ein anderes Arbeiten als im schulmedizinischen Teil der Praxis. Man hat einen Zugang zu Patient und Eltern mit deutlich mehr Zeit und einem völlig anderen Behandlungsansatz. Ein krasser Kontrast zum Hamsterrad der Akutmedizin!

Einer meiner Dozenten in der Osteopathieweiterbildung sagte so schön, man geht als Arzt in einem Selbst mit dem „Arzt“ im Patienten in Verbindung. Osteopathisch begibt man sich auf die Suche nach der „Gesundheit“  in selbst der hartnäckigsten Dysfunktion und bringt sie in Resonanz mit der Gesundheit im Patienten als Ganzen. Klingt schon fast zu schön, um wahr zu sein. Diese „Gesundheitheit in der Dysfunktion“ wird unterstützt und verstärkt unter der Idee, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren. Ich verstehe im osteopathischen Setting den Körper als ganzheitliches System und bringe Flüsse (Blut, Lymphe, Nerven – und vielleicht sogar Energien?!) ins Gleichgewicht und löse entsprechende Blockierungen. Also weg vom rein symptomorientierten Behandeln mit den Möglichkeiten der klassischen Schulmedizin hin zu einem salutogenetischen, ganzheitlichen Ansatz, den Körper in seinen eigenen Fähigkeiten zu unterstützen, sich selbst zu heilen und gesund zu erhalten.

Und die Erfolgserlebnisse in diesem Bereich meiner Arbeit geben mir ein viel zufriedenstellenderes Gefühl als eine Mandelentzündung mit einem Antibiotikum zu behandeln.

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