Die „schwere Geburt“

Der Volksmund erzählt es uns schon für vielerlei überstandenes Mühsal: „Das war aber eine schwere Geburt!“. Doch was ist im medizinischen Sinne die „schwere Geburt“?

Die Geburt eines Kindes ist für fast alle Eltern eine absolut lebensverändernde Situation, die einem das größte Glück schenken kann, sobald sie denn endlich vorbei ist. Wenn das Neugeborene erstmal kraftvoll schreiend da ist und wenig später entspannt auf der Brust der Mutter liegend ins Bonding einsteigt, sind die Strapazen für Mutter und Kind erstmal vergessen.

Doch was war davor, das es zu einer schweren Geburt gemacht hat?

Aus kinderosteopathischer Sicht gibt es klassische Hinweise, die eine Geburt zu einer „schweren“ gemacht haben könnten:

  • Sehr kurze (bis eine Stunde) oder sehr lange Geburt (über 10 Stunden)

Durch schnelles Rutschen (manchmal auch als Sturzgeburt) durch den Geburtskanal mit entsprechend wenig „Vorbereitung“ des Neugeborenen auf die mechanischen Kräfte auf die Geburt erschwert sich die postpartale Anpassung. Darüber hinaus kann mangelnder Druckaufbau zu vermindertem Auspressen von Flüssigkeit aus den Atemwegen führen. Oder umgekehrt durch die sehr lange Geburt durch anhaltend hohen Druck auf die weichen Strukturen des Neugeborenen kann massiv Stress für das Neugeborene erzeugt werden.

  • Saugglocke oder Zange

Ausgeprägter Zug am Kopf und entsprechende Störungsmuster zur Folge

  • Kaiserschnitt wegen Geburtsstillstand

Initial hoher mechanischer Druck auf den weichen Kindeskörper, insbesondere im Kopfbereich bei Missverhältnis zum mütterlichen Becken und dann „Zug“ aus der Gebärmutter während der Kaiserschnittentbindung.

Bild Kaiserschnitt schwere Geburt
Man sieht den kräftigen Zug am Kopf bei Sectio (Kaiserschnittentbindung)
  • Schlüsselbeinbruch während der Geburt
  • Beckenendlage oder Quer-/Schräglage
  • Frühgeburtlichkeit
  • Starker Druck von außen auf den Mutterleib durch Kristellermanöver

Die schwere Geburt = Kaiserschnitt?

Einige mögen behaupten, dass „jedes Kind, das per Kaiserschnitt geboren worden“ ist, osteopathisch angeguckt werden sollte. Das sehe ich anders. Ein Neugeborenes, das gut trinkt, nicht übermäßig spuckt, sich nicht häufig überstreckt, symmetrisch in Bauch- und Rückenlage liegt, braucht auch nach Kaiserschnitt keine routinemäßige osteopathische Kontrolle. Dagegen symptomatische Neugeborene, insbesondere diese mit Zeichen eines Tonus-Asymmetrie-Syndroms, sollten möglichst zügig nach Geburt einem versierten Kinderosteopathen zugeführt werden.