Familienergo

Bei der Familienergo handelt es sich um ein Entwicklungsförderungskonzept, bei dem Kinder als gleichwürdige Partner in der Familie angesehen werden. Abgeleitet aus Erziehungspädagogik um Jesper Juul und Remo Largo hat die Familie von Anja und Dr. Rupert Dernick praktische Anwendungen dargelegt, wie durch Einbindung in alltägliche Aufgaben die Kompetenzen in den verschiedensten Entwicklungsbereichen Kinder gefördert werden können.

Familienergo Bastelkram

Da ich mich letzte Woche vornehmlich mit der Ergotherapie für Vorschulkinder beschäftigt habe, möchte ich Ihnen hier exemplarisch die Umsetzung des Familienergo-Konzeptes näherbringen, wie Sie – ganz ohne „Therapie“ – krankhaften Störungen vorbeugen bzw. Ihre Kinder sinnvoll auf die Schule vorbereiten können.

Was lernt mein Kind im Familienalltag?

  • Entwicklungsbereich Feinmotorik: Gemüse schälen und schneiden, Brot schmieren, …
  • Kommunikation: Selbständig kleine Telefonate führen, beim Bäcker die gewünschten Brötchen bestellen
  • Konzentration fördern, Ablenkung reduzieren: Im Supermarkt Aufträge erfüllen „Hol bitte 1l Milch, 3 Äpfel und 2 Stück Butter“
  • Struktur und Ordnung: Spülmaschine ausräumen und an die korrekten Schubladen/Schränke verteilen, Tisch decken mit gewünschter Position von Besteck, Gläsern etc. (Mathematische Fähigkeiten, Mengenerfassung)
Familienergo Supermarkt

Wie stärkt Familienergo die sozio-emotionale Entwicklung?

Durch Förderung des altersentsprechenden Forscher-, Lern- und Entwicklungsdranges wird Ihr Kind selbstbewusster, selbstsicherer und frustrationstoleranter. Damit dies gut funktioniert, benötigen Kinder Feedback. Aber nicht im Sinne von (Ab-)Strafen/Konsequenzen für Misslingen sondern Anerkennung für den unternommenen Versuch, wenn auch mal was daneben geht. Nach Maria Montessoris Satz „Hilf mir, es selbst zu tun“ können Eltern verantwortungsvolle Partner an der Seite ihrer Kinder sein. Förderung bedeutet, Kinder in Dingen zu unterstützen, die sie mit etwas Anstrengung (!, siehe Sport: Ohne Anstrengung kein Fortschritt) selbst erledigen können. Das ist manchmal etwas tricky, den Spagat zu schaffen zwischen unter- und überfordern. Aber auch das ist etwas, was Sie mit Übung hinbekommen werden. Killer in der Entwicklungsförderung sind immer Stress/Zeitdruck („Ich zieh Dir Jacke/Schuhe an, sonst kommen wir zu spät“ – Zeitmanagement-Problem der Eltern), Sauberkeitswahn/Perfektionismus („ich mach das, Du saust nur rum!“) und Überprotektionismus („Leg das Messer weg, Du verletzt Dich nur!“)

Familienergo Messer

Das Familienergokonzept ist mittlerweile deutlich gewachsen. Es gibt eine Reihe von Büchern, Broschüren und Videos, nicht nur für Eltern, sondern auch für Fachpersonal (Ärzte, MFAs, Erzieher/innen etc.). Besuchen Sie gerne die Familienergo-Website und informieren Sie sich ausführlich.

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