Fieber – Erste Hilfe für alle Fälle

Fieber – Erste Hilfe für alle Fälle! Ursachen, Behandlung, darüber kläre ich in diesem Elternartikel auf. Fieber als Krankheitssymptom ist für viele Eltern bedrohlich: Oh je, es ist soweit: Es war zu erwarten, dass es irgendwann kommt, aber nun ist der Ernstfall tatsächlich eingetreten. Der Sprössling hat das erste Mal Fieber.

Bild Fieber Pexels

Wann ist eine Körpertemperatur Fieber?

Erstaunlich ist die Mannigfaltigkeit der Wahrnehmung von Fieber insbesondere in Zusammenspiel mit Adjektiven wie „hoch“ oder „schlimm“. Per definitionem liegt Fieber ab 38,5°C vor, darunter ist die Temperatur ggf. „erhöht“. Säuglinge können je nach Klamottenzwiebellook oder Außentemperatur auch mal mit 37,8°C normotemperiert sein. Fieber ist primär etwas Gutes: Eine Abwehrreaktion des Körpers, um Krankheitserreger abzutöten. Wenn Sie Fieber messen, tun Sie dies idealerweise rektal. Diese Messung ist am zuverlässigsten. Bei größeren Kindern können Ohrthermometer halbwegs verlässliche Ergebnisse liefern. Eine Messung oral, unter den Achseln und mit einem Stirnthermometer halte ich persönlich für nicht ausreichend sicher im Messergebnis.

Wann senke ich das Fieber bei meinem Kind?

Senken Sie das Fieber Ihres Kinders immer über 40°C. Dann hängen die meisten Zwerge ohnehin wie ein Schluck Wasser in der Kurve durch und können eine Linderung der Symptome alters- und gewichtsabhängig durch Ibuprofen und Paracetamol gut vertragen.

Unter 40°C Fieber senken Sie je nach Laune Ihres Kindes. Spielt es entspannt mit 39,2°C mit Bauklötzen auf dem Boden und trinkt gut, lassen Sie es ruhig fiebern. Liegt es halb komatös mit 38,6°C drömmelig in der Ecke: Geben Sie ihm was!

Bitte geben Sie trotz eines anstehenden Arztbesuchs Ihrem Kind Fiebermittel. Es ist ein Irrglaube, dass durch Fiebersenker Symptome verschleiert werden könnten und der Arzt dadurch zur falschen Diagnose kommen könnte.

Wann ist Fieber „schlecht senkbar“?

Getoppt wird die Wahrnehmung von „hohem Fieber“ lediglich durch die subjektive Definition von „es lässt sich nicht senken“ oder „es geht nicht weg, obwohl ich … gebe“. Ein kleines Kind fiebert gerne hoch, auch gerne mal über 41°C. Ich postuliere immer, die haben einen On/Off-Schalter! Entweder es knallt so richtig oder gar nicht. Daher ist es aus meiner Sicht nicht so relevant, ob sich die Temperatur auf Stirn, im Ohr und rektal mal um 0,5°C unterscheidet. Im Alltag möchten Sie doch nur wissen: Ist das Fieber hoch oder nicht hoch.

Da Sie die Temperatur ohnehin nach Symptomatik Ihres Kindes senken, spielt die genaue Gradzahl nur eine untergeordnete Rolle. Messen Sie etwa neunzig Minuten nach Fiebermittelgabe die Temperatur nach. Nicht erst nach drei Stunden! Da sind Sie vielleicht schon wieder im Fieberanstieg und haben die Senke verpasst. Hatte Ihr Kind vor dem Fiebermittel 41°C Fieber und nach neunzig Minuten messen Sie noch 39,5°C, dann ist das ein Erfolg. Erwarten Sie bitte nicht, dass Ihr Kind völlig fieberfrei sein wird, wenn es so hoch fiebert. Wie gesagt: Fieber ist eine wichtige Abwehrreaktion des Körpers. Da die Fiebersenker in der Regel gute drei Stunden wirken, die Infektion aber dann noch nicht bekämpft sein wird, ist es nicht verwunderlich, dass das Fieber nach Wirkabfall wieder ansteigt.

Fieberkrampf?

Viele Eltern haben Sorge vor einem „Fieberkrampf“, also einem Krampfanfall bei Fieber. Primär zu sagen ist, dass ein solcher Krampfanfall nichts mit der Entwicklung einer Epilepsie zu tun hat. Man geht davon aus, dass Temperaturschwankungen (Schneller Fieberanstieg oder -abfall) im noch kleinkindlichen Gehirn einen epileptischen Anfall auslösen kann. Die Dauer oder Höhe des Fiebers erhöht nicht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Fieberkrampf ausgelöst wird. Früher empfahl man bei Kindern, die bereits einen Fieberkrampf erlitten haben, frühzeitig das Fieber zu senken (schon ab 38,5°C unabhängig vom Allgemeinbefinden). Mittlerweile hat man diese Empfehlung verlassen, da mittlerweile belegt wurde, dass das frühe Fiebersenken keinen Fieberkrampf verhindert.

Wann muss Fieber ärztlich abgeklärt werden?

Bei größeren Kindern, die in den fieberarmen Phasen gut zufrieden sind, vernünftig trinken und über keine eindeutigen weiteren Beschwerden klagen (Ohrenschmerzen, Halsschmerzen, starke Bauchschmerzen, Schmerzen beim Wasserlassen) können Sie das Fieber auch gerne mal drei Tage abwarten. Ausnahme sind kleine Säuglinge! In den ersten zwölf Lebenswochen sollten Kinder immer am ersten Fiebertag ärztlich vorgestellt werden, da es sich in ganz seltenen Fällen auch mal um spät auftretende komplizierte Infektionsausbrüche handeln kann, die unter der Geburt akquiriert wurden. Die meisten Infektionen sind selbstlimitierend. Länger andauerndes Fieber sollte ärztlich abgeklärt werden. Über 85% aller Infektionen sind viral und bedürfen daher in der Regel wenig bis keiner ärztlichen Intervention. Jedoch sollte ab oder nach dem dritten Tag die deutlich seltenere bakterielle Infektion ausgeschlossen werden.

Es werden viel zu viele Infekte mit Antibiotika behandelt, obwohl 85% aller Infekte viraler Genese sind und Antibiotika nur bei bakteriellen Infekten helfen.

Die Datenlage sagt, dass heutzutage trotzdem noch viel zu viele Antibiotika verschrieben werden, auch wenn diese in der Vielzahl der Fälle gar nicht nötig wären. Wichtig zu wissen ist, dass Antibiotika nur bei bakteriellen Infektionen helfen. Bei viralen sind sie völlig unwirksam. Im Gegenteil, sie sind dann sogar schädlich im schlimmsten Fall. Denn das Antibiotikum unterscheidet nicht zwischen guten und bösen Keimen und tötet dementsprechend auch die „guten“ Bakterien, die zu unserer normalen physiologischen Flora gehören.

Wie sieht es in der Praxis aus?

In der Praxis werden Kinder oftmals am ersten Tag des Fiebers vorgestellt. Zeichen einer bakteriellen Infektion zeigen sich im Untersuchungsbefund häufig aber erst nach zwei bis drei Tagen, so dass bei Fieberpersistenz eine Zweitvorstellung erfolgen muss und sich dann erst z.B. die offensichtlichen Zeichen einer Mandelentzündung bemerkbar machen. Generell stellen Sie Ihr Kind immer vor, wenn der Allgemeinzustand schlecht ist, die Trinkmenge deutlich reduziert ist und/oder ihr Mutter-/Vatergefühl Ihnen sagt, dass etwas Ernsteres vorliegen könnte!

Als Kinderarzt und Vater kann ich Ihnen nur versichern: Es wird mit dem Alter besser! Ab dem Grundschulalter nimmt die Infektfrequenz deutlich ab und dementsprechend auch die Fieberhäufigkeit. Sehen Sie es „sportlich“ – als Training fürs Immunsystem. Jeder Infekt bildet Gedächtnisantikörper und härtet ab. Als Eltern freut man sich, wenn die Kinder „nie krank“ sind. Aber in der Realität ist es so: Irgendwann kommt die Keule – spätestens in der Schule! Dann doch lieber im Kindergartenalter, wenn „noch nicht so viel verpasst“ wird!

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