Kinderosteopathie [Informationen für Eltern]

Was macht ein Osteopath bei Babys und größeren Kindern eigentlich? Häufig sind Eltern überrascht, wie wenig man eigentlich während einer kinderosteopathischen Behandlung sieht. Hin und wieder werden die Positionen des Kindes verändert oder die Handanlage des Behandlers, aber ansonsten ist die Kinderosteopathie von außen betrachtet frei von Zirkusmanövern und geradezu „langweilig“. Daher vielleicht auch meine initiale Vorstellung von „sinnfreiem Handauflegen“, die ich zum Glück schnell ad acta legen konnte. Sicherlich ist dies auch einer der Hauptgründe für die Skepsis über die Wirksamkeit der Osteopathie – insbesondere im (kinder-)ärztlichen Kollegenkreis.

Zudem ist die Vorstellung weit verbreitet, dass wilde – im wahrsten Sinne „halsbrecherische“ – Manöver ausgeübt werden, um irgendwelche ominös ausgerenkten Wirbel wieder einzurenken. Diese Sorgen sind glücklicherweise unbegründet. Die einzigen Gelenke, die tatsächlich und dann eher traumatisch luxiert (ausgerenkt) werden können, befinden sich im Bereich der Extremitäten und können nicht durch die sanften Techniken der Kinderosteopathie reponiert werden. Dies ist dann eher ein Fall für die Unfallchirurgie. In unserem Themengebiet, insbesondere bei Säuglingen im Halswirbelbereich werden – zumindest in meiner Praxis – keine manipulativen Techniken angewendet.

Anwendungsgebiete der Osteopathie und Kinderosteopathie

Die Anwendungsgebiete der Osteopathie und Kinderosteopathie überschneiden sich häufig mit der Manuellen Medizin in der Durchführung durch osteopathisch tätige Ärzte. Wichtigstes Behandlungsinstrument dabei sind die Hände des Arztes. Die Osteopathie wird bei Funktionsstörungen in den folgenden drei Teilbereichen angewandt:

  • Bei Störungen oder Einschränkungen oder Schmerzen der Muskel-, Gelenk- und Nervenfunktionen, einschließlich der dazu gehörigen Bindegewebe, Knochen und Wirbel (Parietale Osteopathie)
  • Bei Störungen der inneren Organe (Viszerale Osteopathie)
  • Bei Störungen des Schädels und des Schädel-Kreuzbein-Systems, des Gehirns und des Rückenmarks (craniale oder auch craniosakrale Osteopathie)

Mit den weiteren diagnostischen Verfahren lassen sich Art und Ausmaß von Störungen des Bewegungssystems, der Faszien und den Verbindungen zu den Organsystemen feststellen. Häufig können diese Funktionsstörungen mit den typischen osteopathischen und manualmedizinischen Behandlungstechniken behoben oder ihre Folgen gemindert werden. Die komplexe Therapie dient der Verbesserung des sensomotorischen Regelkreises und der Propriozeption.

Wichtigste Methoden und Techniken der Manuellen Medizin

  • Manipulation: Handgrifftechnik zur Wiederherstellung der Gelenkbeweglichkeit. Hierbei wird mit einem kurzen „Ruck“ die Beweglichkeit „blockierter“ Gelenke wiederhergestellt. (bei kleinen Kindern im HWS-Bereich von mir nicht eingesetzt)
  • Mobilisation: Wiederholte langsame Bewegungen erhöhen die Gelenkbeweglichkeit
  • Neuro-muskuläre Behandlung: Behebung von Funktionsstörungen der Muskeln und der Gelenke durch bewusstes Anspannen und Entspannen unter ärztlicher Anleitung mit oder ohne Dehnung durch den Behandler
  • Weichteiltechniken: Drücken (Kompression), Reiben und Dehnen von Muskeln und Sehnen im Bereich von Funktionsstörungen an den Arm- und Beingelenken und der Wirbelsäule
  • Atlastherapie nach Arlen (nach entsprechender Weiterbildung): Ist keine Manipulation der Halswirbelsäule, sondern eine Impulstherapie mit Einfluss auf das Nackenrezeptorenfeld. Dieses ist für die Wahrnehmung des Körpers im Raum zuständig und kann somit auch gefahrlos bei kleinen Säuglingen angewendet werden. Auch der Muskeltonus kann positiv beeinflusst werden.

Ist Kinderosteopathie bzw. eine osteopathische Behandlung beim Baby / Kind gefährlich?

Ist eine osteopathische Behandlung beim Baby / Säugling / Kind gefährlich? Aus meiner Sicht, wenn man sich lege artis an das hält, was die osteopathischen Fachgesellschaften lehren, ist eine Behandlung absolut sicher. Die Bewegungen, auch die, die vom Behandler schnell ausgeführt werden, gehen nie über das normale Bewegungsausmaß der Gelenke hinaus. Sie überlasten demnach nicht den Bewegungsradius, den ihr Kind im Alltag von selbst nutzen sollte. Dennoch, ein Wort zur Vorsicht: Die Osteopathie ist weiterhin in Deutschland kein geschützter Begriff. Theoretisch darf sich jeder, der einen Wochenendkurs Osteopathie besucht hat, hinterher Osteopath nennen. Erkundigen Sie sich nach der Ausbildung des Osteopathen, den Sie aufsuchen möchten. In der Regel dauert diese mehrere Jahre bis zum Diplom und dann noch weitere Jahre bis zur Spezialisierung im kinderosteopathischen Bereich. Oder man hat ohnehin den Vorteil selbst Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin zu sein.

Bei körperlichen Beschwerden sollten Sie aus meiner Sicht ohnehin im Vorhinein in jedem Fall den Kinderarzt Ihrer Wahl aufsuchen, um klar schulmedizinische Problematiken ausgeschlossen zu haben, bevor Sie sich für eine osteopathische Behandlung entscheiden.

Bleibt die Frage, wann zum Osteopathen? Und welche Krankheitsbilder im einzelnen werden dort behandelt?

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