Handling – Leitfaden Tonus Asymmetrie Syndrom

Oder wie wird der schiefe / platte Kopf meines Babys wieder rund?

Mit diesem Handling – Leitfaden möchten wir Ihnen einfach häusliche Übungen demonstrieren, mit denen Sie ganz einfach das Krankheitsbild der lagebedingten Plagiocephalie (also ein schiefer Babykopf) gebessert und die Symptome vom Tonus Asymmetrie Syndrom abgebaut werden können. Als Osteopath kann ich vielfältig Blockierungen lösen, dies sollte auch begleitend beim Tonus Asymmetrie Syndrom in jedem Fall passieren. Mit einer Batterie an Brustwirbel- und Rippenblockierungen lässt es sich schwerlich in Bauchlage aushalten. Doch der Gamechanger, der auf lange Sicht das Körpersystem in die Mittellinie verbringt und die Muckis stärkt, ist Ihr tägliches Trainingsprogramm zu Hause!

Wichtigste Übung: Bauchlage !!!

Erste und wichtigste Aufgabe im Trainingsbootcamp für verformte Säuglingsköpfchen ist die Bauchlage. Aufgrund der derzeit geltenden Schlafempfehlungen zur Prävention des Plötzlichen Kindstodes sollte das Kind im unbeobachteten Schlaf grundsätzlich auf dem Rücken liegen. Da Babys in der Natur der Sache in den ersten Wochen (hoffentlich) relativ viel schlafen, ist heutzutage jeder Babyhinterkopf mehr oder weniger platt. Wohl gemerkt: symmetrisch platt / abgeflacht! Das ist nicht weiter dramatisch und verwächst sich in der Regel, wenn die Babys sich mit ca. sechs Monaten von selbst mehr auf den Bauch drehen. Schief sollte der Kopf jedoch nicht sein. Dies kann im Extremfall zu einem Vorschieben eines Ohres (Ear-shift) und schlussendlich zu einer einseitigen Stirnprominenz (frontal bossing) führen. Dann sieht am Ende nicht nur der Hinterkopf, sondern auch das Gesicht „schief“ aus.

Um dies zu verhindern, sollten Sie jede Wachphase nutzen, mit Ihrem Kind in Bauchlage zu spielen. Viele kleine Säuglinge – insbesondere die, die schnell an Gewicht zunehmen – finden das nicht besonders cool. Ich sage immer etwas flapsig: Fett und Knochen wächst durch Futtern, Muskeln nur dadurch, dass man sie benutzt. Also werden die Zeiträume, die Ihr Kind ohne Weinen in Bauchlage aushält, am Anfang eher kurz sein. Lassen Sie Ihr Kind ruhig ackern, meckern, dann strengt es sich an: Ohne Schweiß kein Preis! Auch für uns muss Sport anstrengend sein, sonst ist er für die Katz! Aber bitte nicht weinen lassen, dann hat Ihr Kind resigniert und trainiert nicht mehr.

Bild Handling Leitfaden Tonus Asymmetrie Syndrom Bauchlage üben

Wenn Sie in Bauchlage (oder auch in Rückenlage!) mit Ihrem Kind interagieren, können Sie dies „mit allen Sinnen“ machen:

  • Gleichgewichtssinn (Vestibulär) z.B. beim Kopfheben und rotierend z.B. Ihrem Fingerspiel (Fähnchen, Zappelfinger) folgend, gleichzeitig sensomotorischer Input
  • Visuell: Fingerspiel, Spielzeug. Kontakt auf Augenhöhe des Kindes!
  • Auditiv: Spieluhr, Singen!
  • Taktil: Sowohl an den Händen, als auch oral!

Wie kann ich die Bauchlage meines Kindes fördern und unterstützen?

Folgende Handling – Übungen in diesem Leitfaden unterstützen beim Tonus Asymmetrie Syndrom die Bauchlage bei Kindern, die diese noch nicht so gut tolerieren:

Bild Bauchlage auf Elternbrust Handling Leitfaden Tonus Asymmetrie Syndrom
„Tummy time“! Sie können Ihr Kind gerne auf Ihrer Brust liegend kuschelnd animieren, das Köpfchen zu heben und die Unterarme aufzustützen. Sie können am Brustkorb unterstützen oder auch die Babyarme seitlich mit Ihren Händen führend im Unterarmstütz fixieren.
Bild Bauchlage oppos  Handling Leitfaden Tonus Asymmetrie Syndrom
Legen Sie Ihr Kind auf eine feste Unterlage. Das gibt dem Baby ein gutes Widerlager zum Aufstützen. Dann legen Sie sich auf die Gegenseite und quatschen Ihr Baby freundlich voll. Dies fördert nicht nur die Motorik, sondern auch die sprachliche und sozioemotionale Entwicklung Ihres Kindes!
Bild Bauchlage Handtuchrolle  Handling Leitfaden Tonus Asymmetrie Syndrom
Hilfsmittel nutzen! Sie können Ihr Kind auch unterstützen, indem Sie eine Handtuchrolle unter die Brust legen. Dies erleichtert das Köpfchenheben und den Unterarmstütz. Wenn Sie gleichzeitig noch sanft den Po auf die Unterlage drücken, ergibt sich dort ein weiterer Fixpunkt für die kindliche Körperachse.
Bild auf Schoß  Handling Leitfaden Tonus Asymmetrie Syndrom
Legen Sie Ihr Kind auch gerne quer über den Schoß. Auch in dieser Position können Sie mit Anheben und Absenken Ihrer Knie und dem Haltgeben an Po und Unterarmen, das Training Ihres Kindes mit Köpfchen heben unterstützen.
Bild Fliegergriff  Handling
Sie können in einer anderen Variante auch den Fliegergriff nutzen und die Aufrichtung unterstützen. Hier ergibt sich als positiver Nebeneffekt, dass die gesamte Körpervorderseite gestreckt werden kann.
Bild Gymnastikball  Handling
Wenn Sie einen Gymnastikball zu Hause haben, legen Sie Ihren Säugling oben auf und halten ihn im Unterarmstütz gut fest und rollen ihn langsam vorwärts / rückwärts über den Scheitelpunkt. Auch dabei werden Sie sehen, wie fleißig oberer Rücken und Nackenmuskulatur trainiert werden.

Tummy time is quality time!

Wie lange sollen die Handling – Übungen des Leitfadens beim Tonus Asymmetrie Syndrom durchgeführt werden?

Im Prinzip ist dies ganz einfach: So lange und so oft wie möglich! Fangen Sie mit fünfmal fünf Minuten am Tag an und steigern Sie, sobald Ihr Säugling die Kraft dazu entwickelt. Idealerweise kommen Sie auf 60 Minuten Bauchlage am Tag. Nutzen Sie diese Zeit nicht nur unter der Bootcamp – Idee. Es ist Quality Time mit Ihrem Baby. Sie spielen zusammen, gehen in intensiven (Körper-) Kontakt zueinander und neben dem Training stärken Sie nicht nur Babys Muckis sondern auch Ihre Verbindung zueinander! Und mit zunehmenden Muskeln, steigendem Gewicht und fortgeschrittener motorischer Entwicklung wird das gemeinsame Turnen für Mama oder Papa vielleicht auch bald zum sportlichen Event und erspart das Fitnessstudio!

Bild Flieger spielen

Mein Kind guckt immer nur nach links / rechts, was kann ich tun?

Im Rahmen des Tonus Asymmetrie Syndroms kommt es häufig zu einer Kopfvorzugsseite nach links oder rechts. Dadurch kommt es zu einer Kopfverformung (lagerungsbedingter Plagiocephalie) mit Abflachung auf der bevorzugten Seite. Wichtig ist: Entlastung vom Hinterkopf. Wenn Bauchlage nicht mehr geht, weil Kind erschöpft: Nehmen Sie es auf den Arm! Gerne mit dem Köpfchen in Ihrer Ellenbeuge gestützt. Sie können es auch gern in eine Tragevorrichtung verbringen. Achten Sie bitte dabei darauf, dass der Kopf nicht nach hinten überstreckt und das Köpfchen auch zu beiden Seiten gedreht werden kann.

Wenn Sie das Kind zum Aufstoßen nach dem Füttern über die Schulter legen, nehmen Sie es möglichst so weit hoch, dass beide Arme des Babys hinter Ihrer eigenen Schulter zu liegen kommen und das Köpfchen eher nach vorne gebeugt ist – keinesfalls in Überstreckung.

Noch wichtiger: Fördern Sie die Gegenseite und zwar, indem Sie:

  • das Baby beim Wickeln Rückenlage diagonal so positionieren, dass Sie es von der nicht-bevorzugten Seite dabei ansprechen. Quatschen Sie es ruhig die ganze Zeit voll. Als Nebeneffekt fördern Sie die Sprachentwicklung, singen Sie gern etwas vor, auch wenn Sie kein Caruso sind.
  • eine Spieluhr / roten Luftballon o.ä. Interessantes auf die nicht-bevorzugte Seite legen, damit das Kind animiert wird, zu dieser Seite zu blicken
  • das Baby so herum ins Bettchen legen, dass das für das Kind spannendere Blickfeld (Fenster, Lichter, Türen etc.) auf der nicht-bevorzugten Kopfseite sind. Ggf. liegt das Baby dann mit den Füßen am Kopfende!
  • den Säugling so auf dem Arm füttern, falls Sie Flaschennahrung geben, dass dabei der Kopf zur nicht-bevorzugten Seite rotiert wird. Sie können dies auch mit dem „Schnullergriff“ üben bei gestillten Kindern, falls diese einen Schnuller akzeptieren. Während das Kind schnullert, führen Sie langsam und vorsichtig den Kopf in Richtung nicht-bevorzugter Drehrichtung und verharren dort für einige Zeit.
  • Ihr Kind so rumpfnah im Schritt gefasst halb aufrecht in Ihrer Armbeuge tragen, dass es – um die Augen in eine horizontale Richtung zu verbringen (physiologisch gewünschte Stellreaktion vom Kind!) – die schwächere Rumpf- und Kopfseite anheben und dadurch trainieren muss. Tragen Sie das Kind als in Ihrer rechten Armbeuge, wenn Sie die linke Rumpfseite trainieren wollen und umgekehrt.

Ein Verhältnis von 60:40 ist ausreichend! Bitte verzichten Sie auf eine behelfsmäßige Lagerung durch nicht angemessene aufgetürmte Handtücher, Decken, Rollen etc., die den Kopf passiv in die ungeliebte Richtung pressen sollen. Aus meiner Sicht, bewirkt dies eher einen gegenteiligen Effekt. Durch den Druck in die Nicht-Vorzugsrichtung erhöht sich die Spannung in Form eines Gegendrucks wie beim gespannten Flitzebogen und die Vorzugsseite wird im schlimmsten Fall noch verstärkt!

Fangen Sie viel lieber aktiv die Aufmerksamkeit Ihres Babys durch Ansprache oder Fingerspiel ein und lassen Sie es dadurch selbst aktiv durch Verfolgen den Kopf von der Vorzugsseite zur weniger bevorzugten drehen. Dort halten Sie durch Fortsetzen Ihrer Animation aktiv den Kopf, bis das Baby den Kopf wieder zurückdreht und beginnen dann erneut von der Vorzugsseite aus!

Was ist mit Spielbögen? Sind diese sinnvoll?

Spielbögen sind bedingt sinnvoll. Im links angezeigten Beispiel sind die Gegenstände senkrecht angeordnet. Da wir jedoch die Rotation verbessern möchten, sind Spielbögen angemessener, bei denen die Spielzeuge seitlich angebracht sind.

Binden Sie Geschwister und andere Kinder mit ein!

Die besten Trainingsergebnisse erzielen Sie, indem Sie bereits vorhandene große Geschwister oder andere Kinder mit einbinden. Diese spielen ohnehin meistens gerne mit den Zwergen. Eine Win-Win Situation für alle Beteiligten!

Nebenbei: Bauchlage trainiert auch Bauchmuskulatur (Plankenposition) und ist damit auch förderlich bei Koliken, Bauchschmerzen und Stuhlgangsproblemen.

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