Husten bei Kindern

Husten bei Kindern – Das meist überschätzte Symptom? Was hilft? Wie lange dauert Husten? Wann ist Husten als Krankheitsbild gefährlich? Mit diesem Ratgeber und Elterninformationsartikel kläre ich über Ursachen und Behandlung auf!

Wer kennt es nicht? Zumindest alle, die eigene Kinder haben! Eine Stunde Kitaaufenthalt reicht, um sich eine Flut von Infekten einzusammeln. In der Vor-Corona-Zeit war es Usus, die Zwerge mit einem Dauerrotz von Oktober bis April (und häufig auch einen selbst) durchzuschleusen. Man feiert in der Winterreifenzeit jede Nacht, die geschlafen wird, noch eine Stufe mehr als ohnehin schon. Ich werde häufig in der Praxis mit einer Mischung aus Erschrecken, Verzweiflung und Unglauben konfrontiert, wenn ich kundtue, dass rund zwölf bis fünfzehn Infekte pro Saison „normal“ sind. Ein Infekt dauert 10 Tage oder mehr. So geht man in der Regel nahtlos von einer Episode in die nächste.

Dauer von Husten bei Kindern

Doch was ist mit Husten? Husten ist in der Regel nicht nach zehn Tagen verschwunden. Bei Erwachsenen macht man sich nach drei Wochen langsam Sorgen, dass der persistierende Husten ein ernster zu nehmendes Problem darstellt. Bei Kindern kann Husten gut und gerne sechs (!!!) Wochen dauern, ohne dass sich der Pädiater achselzuckend zu größeren diagnostischen Rundumschlägen hinreißen lässt. Da die Übergänge von einem Infekt zum nächsten entsprechend fließend sind, ist nicht nur das Nasensekret sondern auch der Husten ein Dauersymptom in der Infektperiode.

Wann ist Husten bei Kindern gefährlich?

Doch wann sollte man hellhörig werden? In der Regel kommt Husten durch eine Reizung und Sekret der oberen Atemwege zustande. Begleitet den Husten jedoch eine Kurzatmigkeit oder Atemnebengeräusche wie Giemen und Brummen oder ein Pfeifen beim Einatmen, dann sollte eine ärztliche Kontrolle erfolgen. Ebenso wenn der Husten nachts betont oder bei Belastung auftritt. Dies könnten Zeichen einer bronchialen Problematik darstellen.

Herr Doktor, aber bitte was Pflanzliches!?

Ganz ehrlich: Wer bitte glaubt, dass bei einem „pflanzlichen Arzneimittel“ z.B. durch eifrige Hände und Füße aus Efeublättern irgendwelche Extrakte herausgepresst werden, lebt hinter dem Mond. Arzneimittel werden „auf pflanzlicher Basis“ synthetisiert – das bedeutet, das ursprüngliche Wirkmolekül stammt aus der Pflanzenwelt, wird jedoch chemisch produziert. Acetylsalicylsäure (ASS) stammt ursprünglich aus der Weidenrinde, jedoch muss heutzutage keine Weide mehr dafür Rinde abgeben. In einem pflanzlichen Hustensaft ist so viel Pflanze wie Ananas in Ananasaroma!

Also, wenn etwas Pflanzliches gewünscht ist, dann kochen Sie Ihrem Kindergartenkind lieber einen schönen Tee, da ist wahrscheinlich mehr Pflanze drin als im handelsüblichen Apothekenprodukt.

Erkältungsmittel, insbesondere Hustensäfte, haben keinerlei evidenzbasierte Wirksamkeit in Bezug auf Krankheitsdauer, außer vielleicht in den Studien, die vom jeweiligen Hersteller in Auftrag gegeben wurden *hust*. Efeuhaltige Hustenmittel scheinen in einigen Untersuchungen tatsächlich eine milde Wirksamkeit zu haben. Wer unabhängige studienbasierte Wirknachweise hat, darf sich gerne bei mir melden. Und doch gilt wahrscheinlich der alte Spruch: Eine Erkältung dauert ohne Medikamente vierzehn Tage und mit Medikamenten zwei Wochen!

Was kann ich als Elternteil bei der Behandlung von Husten tun?

Sie können gerne Hustensäfte geben. In der Regel sind diese nicht schädlich. Aber ich würde mir nicht zu viel Wirksamkeit davon versprechen. Wenn mich jemand nach meiner persönlichen ärztlichen Einschätzung fragt, dann gestehe ich Ihnen, dass meine Kinder in ihrem Leben noch nie einen Hustensaft konsumiert haben. Auch wenn ich den Schrank voller Muster von freundlichen Pharmareferenten stehen habe!

„Bei anhaltendem Husten muss inhaliert werden, aber richtig! Mit Kochsalz am besten! Dafür brauchen wir jetzt mal’n richtiges Inhaliergerät“ – Ääääääh: Nein!

Bitte ersparen Sie Ihren Kindern auch reine Kochsalzlösungsinhalationen über einen Vernebler. Aus meiner Sicht ist dies Medizin von vor vierzig Jahren. Auch in diesem Fall gibt es keine Wirksamkeitsbelege für eine schnellere Genesung. Und ehrlich gesagt, grenzt es meines Erachtens nach an Kindesmisshandlung, die Inhalationsmaske fünfzehn Minuten „luftdicht“ auf Mund und Nase zu pressen. Denn, sobald Sie die Maske von eben diesen abheben, kommt an den Atemwegen de facto nichts mehr an!

Und osteopathisch?

Bei länger dauerndem (Reiz-)Husten kann eine begleitende osteopathische Behandlung durchaus sinnvoll sein. Durch Verbesserung der Mobilität der Rippen und der Atemhilfsmuskulatur sowie des Zwerchfells kann ein positiver Einfluss ausgeübt werden. Auch eine Verbesserung des Lymphabflusses kann die Genesung unterstützen. Im akuten fieberhaften Infekt sollte eine osteopathische Behandlung aber vorerst zurückgestellt werden.

Also meine Empfehlung: Viel Flüssigkeit, viel frische Luft! Achten Sie auf die o.g. Warnzeichen und ansonsten: Halten Sie durch!

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