Knick-Senkfuß beim Kind

Der Knick-Senkfuß beim Kind ist ein häufiger Vorstellungsgrund in der pädiatrischen Praxis, häufig kombiniert mit Innen- oder auch Außenrotationsgang. Eltern beschäftigt dahingehend selten die Frage, ob es sich um eine Pathologie handelt (davon wird ausgegangen!), sondern lediglich wann (endlich!) mit Einlagen behandelt werden kann. Nicht, dass man was verpasst, dass das so bleibt, dass es fürs Kind später Probleme gibt…

Knick-Senkfuß beim Kind

Natürliche Achsentwicklung beim Kind

Die Entwicklung der Beinachsen beim Kind verläuft bei neurologisch gesunden Kindern in der Regel ähnlich:

  • Als Baby O-Beine
  • Zwischen dem zweiten und vierten Geburtstag zunehmend X-Beine (da auch meistens die am imposantesten ausgebildeten Knick-Senkfüße)
  • Zwischen dem vierten Geburtstag bis ins Grundschulalter langsam wieder auswärts drehende Beinachse mit zunehmender (Längs-)Fußgewölbeaufrichtung

Beim kindlichen Knick-Senkfuß ist das Längsfußgewölbe abgeflacht, beim richtigen „Plattfuß“ komplett abgesenkt. Den „Knick“ sieht man am besten, wenn man von hinten auf den Fuß blickt. Der vermeintliche „Knick“ in der Achillessehne zeigt dann jeweils nach innen.

Wann ist der Knick-Senkfuß beim Kind pathologisch?

Vorab: So gut wie nie! Ganz global kann man schon mal einen suffizienten vom insuffizienten Knick-Senkfuß unterscheiden. Wenn im Zehenspitzenstand der „Knick“ verschwindet und sich dann ebenfalls das Längsgewölbe aufrichtet, ist in der Regel kein Handlungsbedarf gegeben. Der „gewöhnliche“ Knick-Senkfuß tut nicht weh!

Zehenspitzen

Symptomatische Knick-Senkfüße führen zu Schmerzen! Dann gehören die Füße behandelt. Insbesondere dann, wenn Begleitumstände die Situation verkomplizieren. Bei verkürzter Wadenmuskulatur zieht die Achillessehne die Ferse nach außen. Wenn dann auch noch der Vorfuß nach außen abduziert, läuft das Kind ggf. sogar auf der Fußinnenkante. Fuß- und Knieschmerzen, da wachsam sein! Und meine Allroundantwort: Asymmetrie! So 100% symmetrisch sind wir ja alle nicht, kein Thema, kompensiert der Körper gut. Aber bei deutlicher Asymmetrie bei Füßen und Gangbild sollte man zumindest mal einen ordentlichen Blick auf den gesamten Bewegungsapparat werfen. Manchmal ist der Fuß ja nur Endstrecke von höhergelegenen Störungsbildern.

Super selten, aber manchmal tatsächlich nötig, sind sogar Aufrichtungsoperationen!

Fuß Röntgen

Risikofaktoren

  • Adipositas
  • Bewegungsmangel
  • Störungen in anderen Bereichen des Bewegungsapparates (Becken, Wirbelsäule etc.)

Einlagen beim Knick-Senkfuß beim Kind

Jetzt kommt die große Ernüchterung! Einlagen beim kindlichen Knick-Senkfuß heben durch einen sogenannten Supinationskeil das Längsgewölbe künstlich an, die Ferse wird so unterstützt, dass sie nicht nach außen „wegrutschen“ kann und zwingt den Fuß in eine mehr oder weniger anatomisch gewünschte Position. Dies führt in der Regel zu einer Schmerzfreiheit beim Kind (Das ist das Ziel!). Ein Knick-Senkfuß wird dadurch NICHT „geheilt“! Daher sind Einlagen bei Kindern höchst umstritten. Fest steht, dass asymptomatische Kinder dadurch nicht relevant profitieren. Wir Ärzte – und davon nehme ich mich nicht aus – verschreiben viel zu „großzügig“ Einlagen. Vor dem Schulalter sollte generell davon abgesehen werden, insbesondere ohne Asymmetrie und Schmerzen!

Was tun beim kindlichen Knick-Senkfuß?

Also, wenn klar ist, dass Einlagen eigentlich „nichts bringen“, muss es doch andere Maßnahmen geben, Fuß- und Beinachse zu verbessern. Bestes Training ist viel barfuß laufen. Idealerweise tatsächlich barfuß, ohne Socken auf unebenem Grund: Sand, Kies, Gras! Alles, wo die Fußwahrnehmung an unterschiedlichen Stellen stimuliert / gekitzelt wird, hilft das Fußgewölbe aufzurichten. Und wenn Schuhe, dann gerne flach und flexibel, damit noch möglichst viel Input in die Fußrezeptoren gehen kann. Barfußschuhe? Hab ich noch keine abschließende Meinung zu!

Knick-Senkfuß beim Kind Fußuntersuchung

Und osteopathisch?

Klar, insbesondere bei Asymmetrie gehört eine osteopathische Begutachtung aus meiner Sicht absolut dazu. Fußwurzelknochenblockierungen, Wadenbeinköpfchen, oder auch höher gelegene Dysfunktionen können mit ins System spielen! Wachstumsbegleitende Kontrollen und Behandlungen bei Fehlstatiken sind aus meiner Sicht essenziell!

Darüber hinaus: Fußgymnastik! Klingt nach Oma, ist es aber nicht. Intensives, fast physiotherapeutisches Training, gerne auch spielerisch, damit die Zwerge auch anhaltend Bock haben, mitzumachen. Wie? Lesen Sie mehr im Trainingsartikel!

Fuß training

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