Kuhmilch – Gesund oder schädlich?

Die Milch macht’s! Oder etwa nicht? Wer kennt den Werbeslogan der Milchindustrie nicht?! Dabei stellt sich heute doch weitaus häufiger die kritische Frage, ob Kuhmilch tatsächlich gesund oder schädlich ist.

Lange Zeit wurde grenzenlos propagiert, dass Kinder für Ihr Wachstum unbedingt Kuhmilch konsumieren müssen. Mittlerweile empfiehlt das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) nur noch eine maximale Zufuhr von 300ml Kuhmilchprodukten am Tag ab dem ersten Geburtstag. Und da ist all-in: Käse, Quark, Sahne, Joghurt, Milch pur! In der Praxis bei der U7 zum zweiten Geburtstag wird diese Menge jedoch extrem häufig überschritten.

Kuhmilch gesund oder nicht?

Ist Kuhmilch schädlich für Kleinkinder oder gesund?

Kuhmilch enthält viel Calcium, daneben Eisen, etwas Jod und einige Vitamine. Dies sind potentiell gute Inhaltsstoffe, die dem Wachstum Ihres Kindes zuträglich sind. Jedoch enthält die Milch auch einen hohen Anteil an tierischem Eiweiß und wirkt steigernd auf bestimmte Wachstumsfaktoren des menschlichen Körpers, der unter anderem auch die Bildung von Fettzellen fördert. Es ist belegt, dass ein erhöhter Kuhmilchkonsum mit einem deutlich erhöhten Adipositasrisiko einhergeht. Zudem erhöht die vermehrte Produktion dieser Wachstumsfaktoren (IGF1 und Insulin) anders als beim Fleisch das Risiko für eine spätere Insulinresistenz und damit ebenso das Diabetesrisiko.

Darüber hinaus führt eine übermäßige Proteinzufuhr zu einer potentiellen Überlastung der kindlichen Nieren durch eine erhöhte Bildung harnstoffhaltiger Substanzen, die über den Urogenitaltrakt ausgeschieden werden müssen.

Wachstumsanregende Stoffe der Kuhmilch – Gesund oder nicht?

Ein paar kritische Gedanken zum dem Thema Kuhmilch. In den letzten 200 Jahren sind die Menschen, die in Ihrer Gesellschaft Kuhmilch regelmäßig konsumieren im Längenwachstum immer stärker angestiegen. Diese „säkuläre Progredienz“ wird hauptsächlich den wachstumssteigernden Fakoren durch Kuhmilchkonsum zugeschrieben.

Ein großer Teil der afrikanischen und asiatischen Bevölkerung verträgt nach dem ersten Geburtstag keine Kuhmilch mehr – genetisch.

Der Mensch ist die einzige Lebensform auf unserer Erde, die Muttermilch einer anderen Spezies zu sich nimmt. Einmal drüber nachdenken! Muttermilch soll Wachstum unterstützen. Warum sollte ein Mensch nach Ende seiner Wachstumsphasen noch wachstumssteigernde Substanzen zu sich nehmen? Erhöht dies nicht das Risiko bei Zellen, die sich nicht mehr so rasch teilen/vermehren sollten, das Entartungsrisiko?

Die Studienlage dazu ist durchwachsen. Es gibt Hinweise, dass Dickdarmkrebs bei moderatem Milchkonsum seltener auftritt, Prostatakrebs dafür aber häufiger.

Kuhmilch für Knochen?

Kuhmilch ist gesund für die Knochen?

Kinder brauchen im Wachstum für Knochen und Zähne zweifellos reichlich Calcium. Dafür kann ein moderater Milchkonsum ein adäquater Lieferant sein. Im Erwachsenen- insbesondere im höheren Lebensalter haben Studien gezeigt, dass das Osteoporoserisiko von vegan ernährten Frauen nicht erhöht ist gegenüber den Milchkonsumentinnen.

Calciumalternativen finden sich vor allem in grünem Gemüse wie Broccoli oder Spinat. Und zum Teil beinhalten auch Mineralwasser einen nicht zu unterschätzenden Calciumanteil.

Darüber hinaus kann auch eine pflanzliche Milch (Hafer, Soja etc.) einen Kuhmilchersatz darstellen. In der Regel sollte dann auf eine ausreichende Calciummenge (ggf. durch Zusatz) geachtet werden.

Der Jodanteil in der Milch ist auch verhältnismäßig gering. Hier sollte alternativ eher auf Fisch zurückgegriffen werden. Dieser ist auch für die Versorgung durch Omega-Fettsäuren für die Hirnentwicklung sehr zu empfehlen.

Hormone in der Kuhmilch

Ein ebenfalls kontrovers diskutierter Punkt ist der Anteil von Hormonen in der Kuhmilch. Bei größeren Kindern mit ausreichendem Säureanteil im Magen, werden diese Stoffe (wahrscheinlich) ausreichend inaktiviert. Wie gut wird dies aber bei kleineren Kindern mit noch nicht so starker Magensäurebildung gemacht? Ich kann es nicht beantworten, habe dabei aber ein ungutes Gefühl „in der Magengegend“.

Praktische Umsetzung der Kuhmilchbegrenzung

Damit Ihr Kind ab dem ersten Geburtstag den Kuhmilchkonsum in Bereiche unterhalb der 300ml/Tag beschränken kann, stellen Sie zeitnah von Flaschentrinken auf Becher um. Dies reduziert in der Regel alleine schon die Menge an getrunkener Milch. Beschränken Sie Joghurt, Quark etc. auf kleine Portionen, idealerweise zuckerfrei und wenig bis gar nicht verarbeitet und geben Sie „für den Geschmack“ frisches Beerenobst dazu.

Kuhmilch = Süßigkeit

Kuhmilch = Süßigkeit

Wie handhabe ich persönlich den Konsum von Milchprodukten. Ich habe reine Kuhmilch völlig von meinem und dem Speiseplan meiner Kinder gestrichen. Seitdem habe ich deutlich weniger Magenbeschwerden. Wenn ich dann doch gelegentlich z.B. einen Cappuccino mit „echter“ Milch trinke, merke ich unmittelbar ein Brennen im Oberbauch.

Ich genieße weiterhin Käse, aber so selten wie eine Süßigkeit. Wie Paracelsus schon sagte:

Die Dosis macht das Gift!

Auch in der Schokolade toleriere ich Kuhmilch, am liebsten von Lindt oder Pralinen meines heiß geliebten „Cron & Lanz“ Cafés in Göttingen. Ansonsten nehme ich (wenn überhaupt) Haferprodukte zu mir und meine Kids tun dies ebenso „ohne Murren“. Da kann ich mich glücklich schätzen, dass in der Regel auch alle Alternativquellen für Calcium, Jod und Vitamine manchmal mehr, manchmal weniger gut gefuttert werden!

Ist Kuhmilch nun gesund oder schädlich? Mir ist es mit diesem Post ein Anliegen, dass Sie Ihr eigenes elterliches Essverhalten ebenso einmal kritisch hinterfragen, wie Sie das Ihrer Kinder optimieren können.