Schuleingangsuntersuchung

Überflüssiges Relikt aus der Vorzeit: In der Regel 6-9 Monate vor der geplanten Einschulung werden alle schulpflichtigen Kinder einmal amtsärztlich begutachtet. Häufig ist dies ein Termin für Eltern, der in einer Mischung aus Angst und Aufregung herbeigezittert wird, ob das eigene Wunschkind diese Schuleingangsuntersuchung wohl „besteht“.

Schulklasse

Hier kann man leicht Entwarnung geben: Es gibt nichts zu bestehen. Denn die Schuleingangsuntersuchung entscheidet: NICHTS! Sie ist – aus meiner Sicht – ein seit Ewigkeiten überflüssiges Relikt aus einer Zeit, als Kinder vor der Schule weder regelmäßig einen Kindergarten besuchten, noch zu Vorsorgeuntersuchungen geschleppt wurden.

Damals mag das sinnvoll gewesen sein! Einmal gucken, ob die Kinder, die für die nächsten 10+X Jahre ins Schulsystem gezwängt und auf Normaffen programmiert werden sollen, einen Stift als Stift erkennen. Zumindest der Muttersprache insofern mächtig sind, dass sie die Aufforderungen der Lehrkräfte verstehen und ihre Antworten in einigermaßen verständlicher Art und Weise ausdrücken können.

Schuleingangsuntersuchung

Und heute? Werden in Kitas und Kindergärten gefühlt ab dem ersten Tag der Eingewöhnung Ankreuzbögen geführt zu „kann er / kann er nicht“. Und auch wir Kinderärzte haben mit den Vorsorgeuntersuchungen mindestens jährlich einen Blick auf die Kindesentwicklung.

Also wozu Schuleingangsuntersuchung?

Ganz ehrlich: Keine Ahnung! Während Corona sind weitläufig Schuleingangsuntersuchungen einfach mal weggefallen, und keinen hat es interessiert. Ist ja auch kaum einem aufgefallenen, dass Staatsbedienstete, anstatt Kinder, die sie weder aufwachsen haben sehen, noch in ihren alltäglichen Umgebungen beobachtet haben, in 20min auf Schultauglichkeit zu prüfen (Unabhängig von Tagesform, aktuellen Infekten, Schlafmangel, Charakter und nicht zuletzt Sympathie), stunden- und tagelang „Kontakte“ verfolgt und Betriebe ruini.. *hust* „vorübergehend geschlossen“ haben.

Kompetenz von Schuleingangsuntersuchungen

Auch da, liebe Eltern, ganz entspannt! Zumindest in Niedersachsen muss man nicht mal Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin sein, um Schuleingangsuntersuchungen (logischerweise an Kindern) durchzuführen.

Meldendes Kind

Schuleingangsuntersuchungen produzieren nur unnötigen Stress

  • Kinder sind aufgeregt wegen einer Untersuchung bei jemand fremden, der nichts entscheidet, egal, was in dieser Untersuchung herauskommt.
  • Eltern haben einen extra Termin, für den sie sich i.d.R. freinehmen müssen.
  • Kinderärzte: Müssen den Scheiß ausbaden, den der ÖGD durch Verunsicherung von Eltern verzapft

Laufzettel der Schuleingangsuntersuchung

Selbst Kinderkrankenschwestern sind nicht davor gefeit, sich von diesen Pflichtuntersuchungen nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. „Oh Gott, unser Kind kann nicht über die Mittellinie kreuzen!“ Wer viel misst, misst viel Mist! Und der meiste „Mist“ passiert i.d.R. in der Durchführung von Testungen und dann auch nochmal in der Auswertung dieser.

Also: Erstmal atmen! Die Wahrscheinlichkeit, dass in der Schuluntersuchung ein behandlungsbedürftiger Befund herauskommt, der drei Jahre lang dem täglich wachsamen Kita-Personal und womöglich seit Geburt dem regelmäßig untersuchenden Kinderarzt ihres Vertrauens entgangen sein sollte, die liegt doch eher im homöopathischen Bereich.

Dennoch kommen regelmäßig Kinder / Eltern mit kommentarfreien Ankreuzbögen von der Schuleingangsuntersuchung: „Mein Kind braucht ALLES: Logo, Ergo, Physio, Psychomotorik, SPZ und Verhaltenstherapie“. Yo! Alles fein auf dem elektronischen Anklickpapier angekreuzt worden. „Na dann, wenn die Amtsärztin das meint, soll sie es doch verschreiben! Wer empfiehlt, verschreibt! Ach, darf sie nicht? Na sowas!“ Wäre doch schön, wenn Sie den Scheiß mit den Heilmitteln einfach unterlassen könnte. Wäre doch viel angenehmer für alle Kinderärzte, wenn auf dem Bogen stehen würde „Überprüfung beim Kinderarzt, ob weiterer Handlungsbedarf besteht“, gibt’s aber nicht! Machen sich die Amtsärzte schön einfach, aus der Tür, aus dem Sinn, kann sich der Kinderarzt mit rumschlagen. Erheblicher Mehraufwand, eine verängstigte Mutter wieder davon zu überzeugen, dass weder der Kindergarten noch wir Hauskinderärzte die letzten ca. 5 Jahre geschlafen haben!

Klasse

Die Alternative?

Abschaffung der generellen Schuleingangsuntersuchung! Viel sinnvoller wäre eine reine Bedarfsüberprüfung auf Empfehlung von Kindergarten, Eltern und Kinderarzt. Zur gezielten Überprüfung der Einschulungsfähigkeit im Regelbetrieb oder etwaigem sonderpädagogischen Förderbedarf! Schont Ressourcen in jederlei Hinsicht und generiert mehr Zeit für die Kinder, die eine gesonderte Überprüfung wirklich nötig hätten. Aber deutsche Staatsmühlen arbeiten ja langsam. Da geht’s um Steuergelder, die auf keinen Fall aus Bereichen abgezogen werden sollen und ähnlichen politischen Mist. Pro-Kind ist das alles in keinem Fall!

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